Sonderausstellung „Verboten und verfolgt – Jehovas Zeugen im KZ Ravensbrück und in Haftanstalten der DDR“
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Krummes Haus: Detailseite
Bibliothek | Museum | Dokumentationsstätte
Schlossplatz 2
18246 Bützow
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Im Krummen Haus wird am 28.10. um 18:00 Uhr die Sonderausstellung „Verboten und verfolgt – Jehovas Zeugen im KZ Ravensbrück und in Haftanstalten der DDR“ eröffnet. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.
Die Ausstellung widmet sich Zeuginnen und Zeugen Jehovas (auch als Bibelforscher bekannt), die im NS-Staat unter anderem im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert und später in der DDR erneut verfolgt waren. Von völkischen und nationalsozialistischen Kreisen wurden die Bibelforscher bereits in den 1920er Jahren als „jüdische Bolschewisten“, „Volksverräter“ und „Kommunisten“ verunglimpft. Über 2.900 deutsche Zeuginnen und Zeugen Jehovas sowie über 2.900 aus den besetzten Ländern wurden als „Schutzhäftlinge“ der Gestapo in die Konzentrationslager deportiert. Im KZ Ravensbrück waren bis zur Befreiung 782 weibliche und 218 männliche Bibelforscher inhaftiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die verfolgten Zeugen Jehovas in der Sowjetischen Besatzungszone als Opfer des Faschismus (OdF) anerkannt. Unmittelbar nach Gründung der DDR warf man ihnen jedoch „Kosmopolitismus“, „Boykotthetze“ und „Spionage für den Westen“ vor. Die Religionsgemeinschaft wurde verboten, ihre Mitglieder verloren ihren Status als OdF und viele von ihnen wurden zu hohen Haftstrafen verurteilt. Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR (1962) wurden Zeugen Jehovas wegen der Totalverweigerung des Wehrdienstes vor Gericht gestellt und verurteilt. In der DDR gab es 1950 etwa 23.000 Zeugen Jehovas. Im Zeitraum von 1945 (SBZ) bis 1985 wurden 6.047 von ihnen verhaftet. Mindestens 600 Männer und Frauen, die die NS-Haftstätten und Konzentrationslager überlebt hatten, wurden erneut verfolgt; fast 400 von ihnen waren sowohl unter dem NS- als auch unter dem kommunistischen Regime in Haft.
In der Bundesrepublik wurden die Zeugen Jehovas zwischen 1960 und 1969 ebenfalls verurteilt, wenn sie auch den Ersatzdienst ablehnten.
Die Wanderausstellung „Verboten und Verfolgt“ wurde von Historikerin Dr. Christl Wickert und Historiker Falk Bersch erarbeitet. Zur Eröffnung wird das Kuratorenteam in das Thema einführen. Uwe Neumärker, Direktor der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, wird ein Grußwort sprechen. Musikalisch wird die Eröffnung vom Streichquartett der Freunde Theokratischer Musik e. V. begleitet.
Die Ausstellungseröffnung leitet drei intensive Tage zum Thema Verfolgung religiöser Minderheiten ein, das den Schwerpunkt des diesjährigen 22. Bützow-Forums zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bildet.
Zum Abschluss am 30.10. um 14:00 Uhr wird Co-Kurator Falk Bersch durch die Ausstellung führen.
Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos. Für das Bützow-Forum wird um Anmeldung gebeten.
Die Wanderausstellung ist eine Kooperation der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück mit der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und wurde 2018 erstmals in der Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt.
Zu sehen ist „Verboten und Verfolgt“ vom 29.10.2026 bis 29.01.2027 im Krummen Haus, Schlossplatz 2 in Bützow zu den Öffnungszeiten sowie nach Vereinbarung. Informationen unter: Tel. 038461 66915, E-Mail: Krummes-haus@buetzow.de.